MDVM: Wieder einmal knapp gescheitert.

Bilder: Peter Ley und Fam.Meuer
In der 4.Runde hatten wir Lasker Kirkel aus dem Saarland als Gegner. Die Mannschaft setzte sich aus drei vergleichsweisen Anfängern und einem etwas erfahreneren Spieler zusammen. Wir hatten im Durchschnitt ein DWZ-Plus von über 500. Auch wenn wir Respekt vor den ambitionierten Gegnern hatten, die schon mit Überraschungen aufhorchen ließen, sollte das eine klare Angelegenheit werden….


und wurde es auch. Joshua und Lasse hatten schnell ihre Partien im Griff und bei Christian war es auch so, aber ein kleiner unaufmerksamer Moment und aus +4 wurde -1. David spielte mit Schwarz recht unspektakulär und quälte in dem nur leicht besseren Endspiel die gegnerische Nr.1 bis der dann fehlgriff. Christian kämpfte und konnte wieder ausgleichen. Vor dem zu erwartenden Showdown sparte er Kräfte und Remis wurde vereinbart.
Im Finale kam es zur Wiederholung der letztjährigen U12 Paarung bei der MDVM, Lahnstein – Weimar. Dieses Jahr mussten wir beide gewinnen, um unter die ersten 3 und damit einen Platz bei der Deutschen Meisterschaft zu bekommen. Joshua stellte mit Weiß schon nach 7 Zügen einen Bauern ein. Sein Gegner wollte sich da nicht lumpen lassen und tat es ihm mit 2 seiner Bauern gleich. Jetzt mit einem mehr sah es auch auf dem Brett gut aus. Schnell aber entglitt der Vorteil und ich war froh, dass der Weimarer sich mit einem ewigen Schach zufriedengab. Es hätte eher noch Schwarz auf Gewinn spielen können. Während hier nach ~35 Zügen ein Unentschieden besiegelt wurde, war man an den anderen Brettern noch kaum über die Eröffnung raus. Christian wollte ein schönes Feld für seinen Springer besetzten, übersah aber einen Abzug und verlor einen Bauern. Er hing sich aber sichtlich rein, beschäftigte den Weimarer und holte den Bauern zurück. Jetzt war er am Drücker, stellte einige gefährliche Fallen auf, die sein Gegner aber parierte. Die Partie auf dem 4.Brett war zu diesem Zeitpunkt auf einem hohen Niveau. David kam zunächst sehr gut aus der Eröffnung, konnte seinen leichten Vorteil aber nicht umsetzten. Die Abriegelung des Zentrums brachte ihm dann eine etwas passive Stellung, ohne dass es richtig gefährlich wurde. Ich hatte aber wenig Sorgen, weil er in den letzten Wochen gezeigt hatte, dass er gerade zähe Stellungen gut im Griff hat. Lasse spielte wie so oft eine sehr auf taktische Verstrickungen angelegte Partie. Fesselung und Gegenfesselung wechselten sich ab. Beide suchten den Weg nach vorne, auf offensive Züge wollten beide immer den Gegenangriff. Irgendwann musste hier die Waage einmal aus dem Gleichgewicht kommen und so konnte Lasse durch geschicktes Kombinieren eine Qualität gegen Bauern gewinnen. Wir lagen erstmals virtuell vorne. Dann überschlugen sich die Ereignisse: Christian stellte im ausgeglichenen Endspiel einen Turm auf h1 und der war einfach weg, mit sofortiger Aufgabe und Lasse übersah einen Doppelangriff mit Matt und Figurengewinn. Da half auch sein starkes Damenopfer nichts mehr, weil es nur ins Dauerschach rettete. Mehr war hier nicht drin. Ein Sieg war nicht mehr möglich und David hatte natürlich auch keinen Nerv mehr die ausgeglichene Stellung zu quälen. Wir rutschten durch die Niederlage bis auf Platz 6 nach hinten. Auch wenn es wieder eine recht unglückliche Niederlage war, lag es nicht nur an diesem einen Spiel. In den vier Spielen gegen Mitfavoriten konnten wir nur gegen die starken Neuberger, die noch Zweiter wurden, knapp gewinnen. Und auch hier waren wir in der letzten Partie auf die Mithilfe des Gegners angewiesen. Insgesamt können wir gegen die Teams mithalten, aber uns nicht entscheidend durchsetzen. Jonathan und Peter hatten nur einen Einsatz und bewiesen mit 1,5 / 2 zusammen, dass man auf sie zählen kann. Christian zeigt über weite Strecken der Partien guten Leistungen und dann immer mal wieder eine Konzentrationsschwäche, die seine hart erarbeiteten Vorteile mit einem zunichtemacht. Lasse ist ein starker Kämpfer. Er spielte zwar dreimal Remis, aber alle Partien waren komplett ausgefightet. Seine Gegner waren auf Augenhöhe und so war das Ergebnis erwartungsgemäß. Obwohl der älteste unserer Mannschaft ist Joshuas Einstellung immer noch ein wenig unreif. Er verbraucht kaum Zeit und überlegt oft erst wenn etwas schief gegangen ist. Sein hohes taktisches Talent wird durch seine Ungeduld ausgebremst. Am zweiten Brett der MDVM war so gegen die Mitfavoriten kein Sieg drin. David war das erwartet zuverlässige erste Brett. Selbst auf diesem Niveau geriet er am Spitzenbrett kaum in Verlustgefahr. Er ist auch der einzige der seine Wertungszahl deutlich verbessern kann.
Die letzten Sätze klangen insgesamt ein wenig negativ, weil uns allen, Spieler, Betreuern, Eltern, die Enttäuschung wieder einmal knapp gescheitert zu sein, doch anzumerken war. Insgesamt muss ich wie so oft aber doch ein sehr positives Fazit ziehen. Sportlich ist es ein großer Erfolg hier dabei sein zu dürfen und gegen die besten Teams aus Hessen, Thüringen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz mithalten zu können. Das Verhalten unserer Spieler am Brett ist immer fair und neben dem Brett vorbildlich. Alle sechs verstehen sich sehr gut und unterstützen sich wo es möglich ist. Die Organisation mit den Eltern bereitet keine Probleme und unsere kleine Reisegemeinschaft versteht sich gut. So macht es mir immer wieder viel Freude an so einer Meisterschaft teilzunehmen. Wenn unsere Jugendlichen sich nicht unterkriegen lassen und an ihren kleinen schachlichen Schwächen arbeiten, werden wir es bestimmt auch mal wieder auf eine DVM schaffen.
Ein großes Dankeschön auch um das Orga- und Betreuerteam aus Rheinland-Pfalz. Es war zunächst keine Selbstverständlichkeit in der aktuellen Lage, eine Meisterschaft mit über 100 Teilnehmern und nochmal ca. 50 Mitreisenden überhaupt stattfinden zu lassen. Nach der Vorbereitung hatten alle richtig viel Arbeit vor Ort während der 3 Tage und das alles unter der Maske. Unterstützt wurden sie von den sehr freundlichen Mitarbeitern der Jugendherberge. Die Hygieneregeln waren kompliziert, aber alle gaben sich Mühe den Vorgaben zu folgen und hatten die entsprechende Nachsicht, wenn bei gutem Willen nicht alles perfekt war.
Hier findet ihr die Ergebnisse und noch ein paar Impressionen: http://chess-results.com/tnr534346.aspx?lan=0&art=63&turdet=NO

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.