Das Schachspielen in den Zeiten des Norovirus

choleraEin ganz normaler Morgen des Betreuers: Wenige Leute so früh  im Frühstücksraum,  man trinkt Kaffee, genießt die Ruhe von dem Sturm, geht nochmal im Kopf durch die Varianten – man darf nicht wieder die wichtigen Nebenvarianten vergessen. Das ist die beste Zeit des Tages. Des Tages, der einen Aufschwung bringen wird, an dem eine Aufholjagd gestartet wird. Der Raum und der Tag füllen sich mit Kindern, Lachen, Schreien, zerbrochenem Geschirr – der Sturm kommt… Letzter Schluck, Aufbau mit Schwarz,  der richtige Plan mit Weiß,  warum geht der nicht, und der und der – die Zeit reicht nicht, reicht nicht, sie reicht nie.

Als wir um 8:59 in den Spielsaal stürmen, stimmt etwas nicht:  Statt ein aufgeregtes Bienennest finden wir ein verärgertes, verunsichertes Wespennest vor. Am ersten Tisch in der U14 fehlt eine ganze Mannschaft. Bei den Mädchen sieht es nicht viel anders aus: Es kann nur ein Spiel am ersten Tisch stattfinden. Alinas Gegnerin ist auch nicht da, die Runde wird gestartet.

Wir führen 1:0 und Alina sagt endlich, dass sie sich eigentlich schon den ganzen Morgen nicht wohl fühlt.  Für den Arzt gibt es keine Zweifeln: Auch unsere Mannschaft blieb vom Ausbruch des Norovirus nicht verschont.

Die restlichen Partien laufen weiter. Einige Partien werden aufgegeben, weil die Spielerinnen nicht weiter spielen können, die anderen spielen trotz der ersten Symptomen weiter – was meistens mit einem Einsteller endet. Die Reihen der Kämpfenden lichten sich, das unausweichliche Ende wird offensichtlich.

Theresa schafft es, ihre Gegnerin matt zu setzen, bevor  das Turnier abgebrochen wird. Sabrina und Jennifer bleibt es verwehrt, die Partie auszuspielen.

Manchmal täuscht man sich morgens und das Leben spielt eine Neuerung, bevor der Tag zu Ende ist. Nun heißt es packen, heimfahren, gesund werden und … nächstes Jahr wieder kommen.

 

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